Die Preise für private Nachhilfe sind ein häufig diskutiertes Thema. Nachhilfelehrer selbst haben oft keine konkreten Vorstellungen wie hoch ein angemessenes Studenhonorar sein könnte. An dieser Stelle möchte ich einige Denkanstöße sowohl für Nachhilfelehrer als auch für Eltern und Schüler geben. Eine allgemein gültige Preisübersicht gibt es nicht, dafür spielen zu viele Faktoren eine Rolle, die berücksichtigt werden wollen. Grundsätzlich habe ich bei meinen Beobachtungen und Recherchen folgendes festgestellt:
Die Preise für Nachhilfe Stunden sind regional unterschiedlich. Es ist zu beobachten, dass in einkommensstärkeren Bundesländern wie Bayern und Baden Würtemberg höhere Stundenpreise verlangt werden als z.B. in Berlin. Das mag daran liegen, dass in diesen Bundesländern die Kaufbereitschaft für Nachhilfe bei einem bestimmten Preis höher ist als in anderen Bundesländern.
Weiterhin spielt das Alter und der berufliche Status des Nachhilfelehrers eine Rolle. Ein Schüler erhält in der Regel für seine gelegentliche Nachhilfe Tätigkeit deutlich weniger als ein professioneller Nachhilfelehrer oder ein Student auf Lehramt. Hier sind Alter, Lehrerfahrungen, Know How, Berufsabschlüsse und didaktische Fähigkeiten von Bedeutung. Ein Pädagoge möchte sein beruflichen Qualitäten verständlicherweise angemessen vergütet wissen.
Viele Nachhilfelehrer staffeln den Stundenlohn auch nach Fach und Klassenstufe. Das bedeutet, dass Nachhilfe für Grundschüler preiswerter angeboten wird als für Abiturienten oder Berufsschüler. Das liegt unter anderem daran, dass Vorbereitungszeit und Aufwand für den Nachhilfelehrer deutlich geringer ausfallen. Hingegen kostet Nachhilfe in Sprachen, v.a. Latein oder Alt Griechisch meist mehr, besonders dann wenn man einen Altphilologen als Nachhilfelehrer hat.
Ab einem bestimmten Unterrichtsvolumen lohnt es sich nach kleinen Ermäßigungen zu fragen oder diese von sich aus einzuräumen. Findet die Nachhilfe z.B. drei Mal pro Woche mit je zwei Unterrichtseinheiten von je 45 Minuten statt, dann sind das immerhin 270 Minuten pro Woche. Nachfragen lohnt sich.
Nicht zu unterschätzen ist auch die Entfernung zwischen Nachhilfelehrer und Schüler. Einer von beiden muss den Anfahrtsweg auf sich nehmen, das kostet Zeit und Geld, die häufig mit einer Anfahrtspauschale abgegolten wird. Je näher die Entfernung zwischen Nachhilfelehrer und Schüler ist, desto geringer sind Zeitverlust und eventuell entstehende Anfahrtskosten. Das ist sicherlich kein zentraler Punkt aber auch kleinere Beträge summieren sich auf Dauer.
Wieviel darf Nachhilfe pro Unterrichtseinheit (i.d.R. 45 Minuten) also kosten? Es lässt sich fast überall für 10-15 Euro ein sehr guter Nachhilfelehrer finden, der mit viel Engagement seinem Schützling zur Seite steht. Schüler nehmen meist um die 5 bis 7 Euro, Studenten zwischen 8 und 15 Euro, Muttersprachler (Native Speaker) 10 bis 15 Euro, Ausbilder, Dolmetscher und Übersetzer zwischen 15 und 20 Euro, Lehrer, Dozenten sowie professionelle Nachhilfelehrer ca. 15-30 Euro. Auch diese Einteilung stellt nur eine grobe Orientierungshilfe dar, die auf Erfahrungswerten und Marktbeobachtungen beruht. Es finden sich überall Ausnahmen, viele qualifizierte und ambitionierte Nachhilfelehrer bieten guten Einzelunterricht auch für unter 10 Euro an.
Wer sich als Nachhilfelehrer bei einer Nachhilfebörse oder Nachhilfevermittlung registriert sollte darauf achten, den Preis selbst bestimmen zu können. Es gibt Anbieter mit festgelegten Stundensätzen, die nach verschiedenen Kriterien berechnet werden. Im Klartext bedeutet das nichts anderes, als dass der Nachhilfelehrer den Stundelohn nicht vollends selbst bestimmen kann und der Anbieter der Nachhilfeplattform eventuell auch an den Stunden mitverdient. Diese Vorgehensweise erinnert stark an Nachhilfeinstitute, nur stellen diese auch Räumlichkeiten zur Verfügung. Ein kundenorientiertes Nachhilfe Portal mit professionellem Anspruch sollte auf Vertragslaufzeiten verzichten und stattdessen nur eine einmalige Vermittlungsgebühr erheben. So bleiben Eltern und Schüler flexibel und vergüten die Unterrichtsstunden auch wirklich nur an den Nachhilfelehrer.
Welche Erfahrungen haben Sie mit privater Nachhilfe gemacht?