Cornelsen sucht Käufer für Studienkreis

Ganz aktuell trudelt gerade die Nachricht aus dem Handelsblatt ein, dass der Cornelsen Verlag einen Käufer für seine Nachhilfe Kette “Studienkreis” sucht. Mit ca. 1000 Standorten in Deutschland gehört der Studienkreis neben dem großen Konkurrenten Schülerhilfe zu den größten Anbietern von institutionellem Nachhilfeunterricht. Der Cornelsen Verlag möchte sich zukünftig wieder verstärkt auf das eigentliche Kerngeschäft, den Verkauf von Schulbüchern konzentrieren. Dabei sollen vor allem digitale Schulbücher in den Fokus rücken. Dafür braucht der Verlag frisches Kapital, was aus dem möglichen Verkauf des Studienkreises, des kleinen Wissenschaftsverlages sowie dem Verkauf der Sparte Kinder- und Jugendbüchern (Meyers, Guinness) erwirtschaftet werden soll. Als Begründung wurden fehlende Synergien zwischen Nachhilfe und dem eigentlichen Kerngeschäft von Cornelsen genannt. Auch der Verkauf an einen Finanzinvestor wird in Erwägung gezogen. Parallelen zum Verkauf der Schülerhilfe, die seit 2009 dem Müncher Investor Paragon gehört sind durchaus vorhanden.

Nachhilfe in Österreich

Eine aktuelle Studie zum Thema Nachhilfe in Österreich findet man beim Institut für Empirische Sozialforschung (IFES). Die Studie wurde von der AK-Wien (Arbeiterkammer) in Auftrag gegeben. Dabei wurde 2760 Haushalte im März/April telefonisch zur Nachhilfe Situation befragt. Die Studie beschäftigt u.a. sich mit Art und Umfang der Nachhilfe und schlüsselt die Ergebnisse bundesweit auf. Interessant sind die Gesamtausgaben von ca. 127 Mio. EUR pro Jahr. Vor allem sozial schwächer gestellte Familien haben mit den zusätzlichen Kosten von rund 775 EUR pro Jahr zu kämpfen. Auch zum Thema Nachhilfekosten in Österreich hat die AK-Wien aktuelle Ergebnisse aus einer Umfrage. Demnach kostet eine Unterrichtsstunde private Nachhilfe durchschnittlich 19,- EUR, an einem Institut hingegen werden rund 31,- EUR für den Einzelunterricht verlangt.

“Schulnahe Lernförderung” im Bildungspaket verankert

Am 25.02.2011 hatte das zögerliche Geplänkel über die geplanten Hartz IV Reformen ein Ende gefunden. Neben der überschaubaren Erhöhung der Regelsätze erhielt auch das zunächst umstrittene Bildungspaket für bedürftige Kinder grünes Licht von Bundestag und Bundesrat, die einen mehrheitsfähigen Konsens fanden. Das 1,6 Milliarden schwere Bildungspaket richtet sich an rund 2,5 Millionen bedürftige Kinder, deren Eltern ab sofort und auch rückwirkend Ansprüche geltend machen können, sofern ein Bedarf vorliegt. Im Bildungspaket enthalten sind unter anderem Zuschüsse für Nachhilfeunterricht, Musikunterricht, Wandertage, Vereinsbeiträge, Kulturangebote sowie warmes Essen in Schule, Hort und Kita. Diese Leistungen können mit bis zu 10 € pro Monat auf entsprechenden Antrag beim Jobcenter übernommen werden. Darüber hinaus stehen den Kindern 100 € pro Jahr für Schulmaterial und Ausflüge zur Verfügung.

Wie erhält man die Zuschüsse für Nachhilfe?

  • Eltern bedürfiger Kindern benötigen eine Bestätigung der Schule, dass eine Lernförderung (zwingend) erforderlich ist bzw. angeraten wird, um das erforderliche Lernziel zu erreichen. Dieser Umstand ist z.B. bei einer akuten Versetzungsgefährdung gegeben.
  • Die Bescheinigung der Schule muss dann zusammen mit dem Antrag auf Leistungen für Bildung und Teilhabe beim örtlichen Jobcenter eingereicht werden. Für die Umsetzung des Bildungspaketes sind die Kommunen zuständig. Weitere Informationen und Beratung erhalten Sie vor Ort.
  • Die Jobcenter sind angehalten nur Zuschüsse zu bewilligen, wenn keine schulischen Angebote vorliegen, d.h. eine außerschulische Lernförderung in Anspruch genommen werden muss. Für die Erstattung der Kosten sind ortsübliche Preise relevant.

Da die Reformen erst vor gut zwei Woche verabschiedet wurden, gibt es leider noch keine Erfahrungsberichte aus der Umsetzung des Bildungspaketes.

Wenn Sie eigene Erfahrungen gemacht haben oder Ihre Einschätzungen mitteilen möchten lade ich Sie hiermit zu einer Diskussion ein.

Privatschulen liegen im Trend

Rund 700.000 Schüler in Deutschland besuchen derzeit eine Privatschule. Somit befindet sich jeder zehnte Schüler nicht mehr im staatlichen Bildungssystem. Durchschnittlich alle zwei Wochen wird eine neue Privatschule gegründet, die Nachfrage übersteigt das Angebot schon jetzt und die Wartelisten sind lang. Der Boom der Privatschulen scheint ungebrochen. Immer mehr Eltern wollen nicht länger tatenlos zusehen und nehmen die berufliche Perspektive ihrer Kinder selbst in die Hand. Mit kleineren Schulklassen, geringerem Stundenausfall, konkreten Ganztagsangeboten und individueller Förderung liefern Privatschulen Konzepte, die das staatliche Bildungssystem derzeit nicht bieten kann. Dabei stieg die Anzahl der allgemeinbildenden Privatschulen von 1992 bis 2009 um beachtliche 53,5 %, die Anzahl der Schüler an Privatschulen um 55% (Quelle: Statistisches Bundesamt). Weiterführende Informationen zu Privatschulen finden Sie übrigens beim Verband deutscher Privatschulverbände.

Doch was bedeuten diese Zahlen? Die Tendenz zu privaten Bildungsanbietern ist ungebrochen. Egal ob Privatschule oder Nachhilfe, Eltern haben die Warterei auf eine sinnvolle, grundlegende Reform des Schulsystems satt. Wessen Kind jetzt zur Schule geht hat keine Zeit und kein Verständnis für träge staatliche Bildungspolitik. Deshalb wird privat investiert, und zwar in Bildung, den zukunftsträchtigsten und mächtigsten Wirtschaftsfaktor überhaupt.

Widerstand gegen die Schulreform – Hamburger Elite schottet sich ab

Einen informativen und wirklich sehenswerten Beitrag zum Widerstand Schulreform gab es im Februar in der Sendung Panorama in der ARD. Die fast zehn minütige Reportage schildert den privaten Kampf einer Hamburger Eltern-Initiative, die sich aus dem Bügertum in kurzer Zeit formierte und am bestehenden Schulsystem festhalten will. Dem Gegenüber stehen Wissenschaftler und Experten wie Dr. Ernst Rösner, der  Bildungsforscher am Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) an der Technischen Universität Dortmund ist. Rösner spricht offen aus, das Kinder aus zukünftigen Aufsteigerfamilien Konkurrenten für die Kinder des Bügertums sind. Die Angst, dass sich liebgewonnene und bequeme gesellschaftliche Strukturen ändern könnten ist die treibende Kraft der Hamburger Eltern. Diese versuchen mit zuweilen sehr grenzwertigen Mitteln an überholten Strukturen festzuhalten. Aber sehen Sie sich den Bericht selbst an und diskutieren Sie mit.

Nachhilfe Kosten bei privaten Nachhilfelehrern

Die Preise für private Nachhilfe sind ein häufig diskutiertes Thema. Nachhilfelehrer selbst haben oft keine konkreten Vorstellungen wie hoch ein angemessenes Studenhonorar sein könnte. An dieser Stelle möchte ich einige Denkanstöße sowohl für Nachhilfelehrer als auch für Eltern und Schüler geben. Eine allgemein gültige Preisübersicht gibt es nicht, dafür spielen zu viele Faktoren eine Rolle, die berücksichtigt werden wollen. Grundsätzlich habe ich bei meinen Beobachtungen und Recherchen folgendes festgestellt:

Die Preise für Nachhilfe Stunden sind regional unterschiedlich. Es ist zu beobachten, dass in einkommensstärkeren Bundesländern wie Bayern und Baden Würtemberg höhere Stundenpreise verlangt werden als z.B. in Berlin. Das mag daran liegen, dass in diesen Bundesländern die Kaufbereitschaft für Nachhilfe bei einem bestimmten Preis höher ist als in anderen Bundesländern.

Weiterhin spielt das Alter und der berufliche Status des Nachhilfelehrers eine Rolle. Ein Schüler erhält in der Regel für seine gelegentliche Nachhilfe Tätigkeit deutlich weniger als ein professioneller Nachhilfelehrer oder ein Student auf Lehramt. Hier sind Alter, Lehrerfahrungen, Know How, Berufsabschlüsse und didaktische Fähigkeiten von Bedeutung. Ein Pädagoge möchte sein beruflichen Qualitäten verständlicherweise angemessen vergütet wissen.

Viele Nachhilfelehrer staffeln den Stundenlohn auch nach Fach und Klassenstufe. Das bedeutet, dass Nachhilfe für Grundschüler preiswerter angeboten wird als für Abiturienten oder Berufsschüler. Das liegt unter anderem daran, dass Vorbereitungszeit und Aufwand für den Nachhilfelehrer deutlich geringer ausfallen. Hingegen kostet Nachhilfe in Sprachen, v.a. Latein oder Alt Griechisch meist mehr, besonders dann wenn man einen Altphilologen als Nachhilfelehrer hat.

Ab einem bestimmten Unterrichtsvolumen lohnt es sich nach kleinen Ermäßigungen zu fragen oder diese von sich aus einzuräumen. Findet die Nachhilfe z.B. drei Mal pro Woche mit je zwei Unterrichtseinheiten von je 45 Minuten statt, dann sind das immerhin 270 Minuten pro Woche. Nachfragen lohnt sich.

Nicht zu unterschätzen ist auch die Entfernung zwischen Nachhilfelehrer und Schüler. Einer von beiden muss den Anfahrtsweg auf sich nehmen, das kostet Zeit und Geld, die häufig mit einer Anfahrtspauschale abgegolten wird. Je näher die Entfernung zwischen Nachhilfelehrer und Schüler ist, desto geringer sind Zeitverlust und eventuell entstehende Anfahrtskosten. Das ist sicherlich kein zentraler Punkt aber auch kleinere Beträge summieren sich auf Dauer.

Wieviel darf Nachhilfe pro Unterrichtseinheit (i.d.R. 45 Minuten) also kosten? Es lässt sich fast überall für 10-15 Euro ein sehr guter Nachhilfelehrer finden, der mit viel Engagement seinem Schützling zur Seite steht. Schüler nehmen meist um die 5 bis 7 Euro, Studenten zwischen 8 und 15 Euro, Muttersprachler (Native Speaker) 10 bis 15 Euro, Ausbilder, Dolmetscher und Übersetzer zwischen 15 und 20 Euro, Lehrer, Dozenten sowie professionelle Nachhilfelehrer ca. 15-30 Euro. Auch diese Einteilung stellt nur eine grobe Orientierungshilfe dar, die auf Erfahrungswerten und Marktbeobachtungen beruht. Es finden sich überall Ausnahmen, viele qualifizierte und ambitionierte Nachhilfelehrer bieten guten Einzelunterricht auch für unter 10 Euro an.

Wer sich als Nachhilfelehrer bei einer Nachhilfebörse oder Nachhilfevermittlung registriert sollte darauf achten, den Preis selbst bestimmen zu können. Es gibt Anbieter mit festgelegten Stundensätzen, die nach verschiedenen Kriterien berechnet werden. Im Klartext bedeutet das nichts anderes, als dass der Nachhilfelehrer den Stundelohn nicht vollends selbst bestimmen kann und der Anbieter der Nachhilfeplattform eventuell auch an den Stunden mitverdient. Diese Vorgehensweise erinnert stark an Nachhilfeinstitute, nur stellen diese auch Räumlichkeiten zur Verfügung. Ein kundenorientiertes Nachhilfe Portal mit professionellem Anspruch sollte auf Vertragslaufzeiten verzichten und stattdessen nur eine einmalige Vermittlungsgebühr erheben. So bleiben Eltern und Schüler flexibel und vergüten die Unterrichtsstunden auch wirklich nur an den Nachhilfelehrer.

Welche Erfahrungen haben Sie mit privater Nachhilfe gemacht?

Studie: Kosten für Nachhilfe

Es ist mal wieder soweit. Das Thema Nachhilfe bekommt seine jährliche Portion Aufmerksamkeit. Ende Januar wurde eine Studie zum Thema “Kosten für Nachhilfe” veröffentlicht, die von Bildungsforschern im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erarbeitet wurde. Inhaltlich liefert die Studie Daten zur Kostenstruktur in den einzelnen Bundesländern und zeigt den unveränderten Trend, dass Nachhilfe verstärkt in den alten Bundesländern in Anspruch genommen wird. Dabei sind Baden Würtemberg, Hamburg und das Saarland die Spitzenreiter in Sachen Nachhilfe während in Mecklenburg Vorpommern und Sachsen Anhalt weitaus weniger in außerschulische Nachhilfe investiert wird. Die Nachhilfe Kosten belaufen sich bundesweit auf 942 bis 1.468 Mio. Euro jährlich bei rund 1,1 Mio Schülerinnen und Schülern pro Jahr. Im Rahmen dieser Kostenaufstellung wäre es sicherlich interessant gewesen zu hinterfragen, warum Nachhilfe überhaupt so teuer sein muss. Gerade die viel zitierten etablierten Nachhilfeinstitute sind es nämlich, die die Kostenschraube mit Laufzeitverträgen gewaltig nach oben drehen und monatliche Kosten von 130-150 EUR verursachen, die für viele Haushalte kaum erschwinglich sind.

Frühförderung oder verlorene Jugend?

Ich habe bereits des Öfteren darauf hingewiesen, dass die private Bildungsoffensive immer früher beginnt. In der Grundschule ist Nachhilfe inzwischen völlig normal geworden, aber nun sind es auch die Kleinkinder, die schon im jüngsten Alter nicht nur Kitas unsicher machen sondern auch in privaten Lerneinrichtungen auf die Fremdsprachen eingeschworen werden, die in den nächsten Jahren an der Schule zum Unterricht gehören werden. Einen Videobeitrag zum Thema “Kinder Tuning” gibt es beim Spiegel. Da fragt man sich unweigerlich wo das alles hinführen wird? Es ist natürlich von enormer Bedeutung Kinder frühzeitig zu fördern, Möglichkeiten zu bieten, Wissen zu vermitteln und Talente zu lokalisieren und entsprechend zu fördern. Allerdings scheint es manchmal so als würden die Kinder dank bilinguler Kita und Kursen am Nachmittag das unbeschwerte Kindsein unterwegs verloren haben. Groß ist die Angst der Eltern nicht rechtzeitig mit der Früherziehung begonnen zu haben. Am Besten sollte das Kind schon vor dem Eintritt ins Schulalter mindestens zwei Fremdsprachen fließend in Wort und Schrift beherrschen, damit es ja keine bösen Überraschungen auf dem ersten Zeugnis gibt. Durch das stetig wachsende Angebot auf dem privaten Bildungssektor wird es Eltern immer leichter gemacht einen ersten Zugang zu finden. Wie die Mutter in dem Video Beitrag, werden sich somit auch viele andere Eltern fragen, warum sie das vorhandene Angebot nicht auch nutzen sollten. Im Grunde ist auch dieser Schachzug nur ein weiterer Hilfeschrei verunsicherter Eltern, deren schwindendes Vertrauen in die staatliche Schulbildung weiter zunehmen wird.

Eltern in Pisa Panik

In der gestrigen Maybritt Illner Talkshow mit dem Thema  “Eltern in Pisa Panik – Gute Bildung nur noch für Reiche?” diskutierte die Gastgeberin mit dem Minister für Generation, Familie, Frauen und Integration Armin Laschet von der CDU aus NRW, dem Präsident des deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus, dem Bezirksbürgermeister aus Berlin-Neukölln Heinz Buschkowsky, Schauspielerin Sabine Postel, dem 16 jährigen Fachoberschüler und Hauptschulabsolventen Emre Ulukök sowie Enja Riegel, die ehemalige Schulleitern der Helene-Lange Schule aus Wiesbaden, die mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurde und 2008 eine eigene Privatschule eröffnet hat.

In dieser gut zusammengestellten Talkrunde wurden einleitend Daten vom statistischen Bundesamt vorgelegt, wonach 33,39% neue Privatschulen zwischen 1999 und 2007 eröffnet wurden und laut einer Umfrage des Magazins Der Spiegel 79% der Eltern bereit wären für besseren Unterricht und bessere Lehrer zu bezahlen? Für das staatliche Schulsystem sind das ernüchternde Zahlen, die den Finger in die seit Jahren klaffende Wunde legen. Natürlich wurde auch die Milliarde Euro erwähnt, die Eltern jährlich in Deutschland für Nachhilfe ausgeben. Ein weiteres Indiz dafür, das Eltern mit privater Bildung die Missstände des Schulsystems ausgleichen und das Heft selbst in die Hand nehmen.

Besonders erschreckend ist auch nach wie vor die Situation an den Hauptschulen. Selbst Hauptschüler, die einen guten Abschluss gemacht haben besitzen kaum berufliche Perspektiven und werden ohne weiterführende Bildungsmaßnahmen in der Gesellschaft nur selten akzeptiert. Das wissen die Eltern genau und es dauert nicht lange bis die Umzugsmeldungen in der Schule eintreffen, denn immer mehr Eltern verlagern den Wohnsitz in andere Bezirke, um ihren Kindern mit einer besseren Schule mehr Perspektive zu ermöglichen. Sei es Grundschule oder Hauptschule, die Devise heißt für viele Eltern “Raus aus den sozialen Brennpunkten” und wer möchte ihnen das verübeln.

Die vollständige Sendung mit allen Informationen können Sie übrigens in der ZDF Mediathek ansehen.