Da viele Eltern immer noch selbst versuchen zwischen Tür und Angel als Nachhilfelehrer bei Ihren Kinder zu fungieren, möchte ich an dieser Stelle verdeutlichen wie wenig effizient diese Herangehensweise im Normalfall ist. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass viele Eltern immer noch glauben selbst in der Lage zu sein ihren Sprösslingen mit Rat und Tat zur Seite stehen zu können, ungeachtet der Tatsache, dass die eigene Schullaufbahn mehrere Jahrzehnte zurückliegt. Nehmen wir also ein Elternpaar um die 40 Jahre zur Veranschaulichung, die ein Kind haben, welches 10 Jahre alt ist und die 5. Klasse einer Grundschule besucht. Das Kind benötigt dringend Nachhilfe. Der Altersunterschied zwischen Eltern und Kind beträgt 30 Jahre und auch für die Eltern ist es 30 Jahre her, dass sie selbst die 5. Klasse besucht haben. Die Schulzeit war eine andere, es gab keine Computer, die Schulpausen verliefen meist friedlich und es war relativ selten der Fall, dass es zu ernsthaften Auseinandersetzungen zwischen Mitschülern kam. Auch damals gab es schlechte Zensuren und auch Nachhilfe, aber Unterrichtsinhalte wurden anders gelehrt und Eltern hatten scheinbar mehr Zeit selbst zu helfen, da die wirtschaftliche Situation entspannter war. Das ist jetzt nur grob umrissen, um Ihnen zu zeigen, dass sich die Zeiten in den letzten 30 Jahren drastisch geändert haben. Wie dem auch sei, da sind sie nun die Eltern um die 40, die allen Ernstes glauben die Gegebenheiten von früher würden heute noch Gültigkeit besitzen. Inzwischen gehen beide Elternteile arbeiten, das Kind kommt aus der Schule, Hausaufgaben müssen erledigt werden, mit seinen Freunden möchte sich das Kind auch gerne  treffen, Freizeitaktivitäten wie Sport wollen gepflegt werden und die schlechten Zensuren sind seit Wochen oder vielleicht sogar schon seit Monaten ein Dauerthema in der Familie. Irgendwo zwischen den Hausarbeiten, den Einkäufen im Supermarkt und dem Abendessen soll das Kind dann Versäumtes aufholen bzw. intensiv an der Notenverbesserung arbeiten. Die Atmosphäre ist häufig gereizt und überspannt, den Eltern fehlt in der Regel Ruhe, Zeit und Kraft sowie der nötige emotionale Abstand sich wirklich mit den Schulproblemen ihres Kindes zu beschäftigen. Hinzu kommt, dass viele Eltern den Unterrichtsstoff ihrer Kinder auch überhaupt nicht mehr verstehen, da sie sich kaum noch in die Lage des Schülers hineinversetzen können und die eigene Schulzeit viel zu lange zurückliegt. So sind viele getrieben von übermäßigem Ehrgeiz ohne die eigenen Grenzen des Machbaren zu erkennen. In den ersten Klassen der Grundschule mag die eigene Nachhilfe noch funktionieren, aber je weiter das Ende der Grundschule und der Übergang an eine weiterführende Schule naht, desto schwieriger wird es für Eltern adäquate Nachhilfe leisten zu können. In diesem Zusammenhang kommen die externen Dienstleister ins Spiel, die Nachhilfe auf privater Basis anbieten oder über ein Insitut. Natürlich ist es in wirtschaftlich angespannten Zeiten verständlich Kosten einsparen zu wollen, denn externe Nachhilfe verursacht Kosten.

Sie bietet allerdings einige Vorzüge, die Eltern selbst nicht bieten können:

  • eine externe Person betrachtet die Schulprobleme nüchtern, verfügt also über emotionale Distanz.
  • mit dieser Distanz können Probleme besser lokalisiert werden und die nötigen Maßnahmen ergriffen werden, um dem Schüler langfristig ein eigenständiges Arbeiten wieder zu ermöglichen
  • der Altersunterschied zwischen Nachhilfelehrer und Schüler ist in der Regel deutlich geringer. Viele externe Nachhilfelehrer sind z.B. Studenten auf Lehramt, die mit ihrer Materie bestens vertraut sind und deren Schulzeit noch nicht so lange zurückliegt wie die der Eltern
  • der Umgang mit einem Nachhilfelehrer ist immer ein anderer als mit den eigenen Eltern. Der Lehrer kommt zu einer vereinbarten Zeit, viele Möglichkeiten der Ablenkung gibt es nicht; auch wenn die Atmosphäre locker ist sollte eine Nachhilfestunde eine Art Unterrichtscharakter haben und wird vom Schüler in der Regel auch so wahrgenommen. Das Konzentrationsvermögen ist höher als bei Nachhilfe durch Eltern
  • die zeitgemäßen didaktischen Qualitäten und die Nähe zu Schule bzw. Universität macht es für viele Nachhilfelehrer einfacher sich in die Lage des Schülers hineinversetzen zu können. Das wird auch der Schüler merken, der sich besser verstanden fühlt, da die Nachhilfe zeitgemäßer ist.

Nachteile gibt es außer dem monatlichen Kostenfaktor nach meinen Erfahrungen keine. Alle Parteien sollten im Idealfall von der externen Nachhilfe profitieren. Der Schüler arbeitet mit einem privaten Nachhilfelehrer besser und deutlich effizienter als mit den Eltern. Die Eltern selbst müssen die Nachhilfe zwar bezahlen, können die Zeit allerdings anderweitig nutzen und müssen nicht länger Nachhilfelehrer spielen. Die emotionale Situation entspannt sich mit den ersten Notenverbesserungen recht schnell. Es sei noch angemerkt, dass Eltern mit der Beauftragung eines externen Nachhilfelehrers nicht aus der Pflicht sind, denn eine Kontrolle sollte dennoch stattfinden und auch ein regelmäßiger Austausch über den Lernfortschritt sowohl mit dem Nachhilfelehrer als auch mit dem eigenen Kind. Dann spricht auch nichts dagegen, dass Eltern Vokabeln abfragen oder die Hausaufgaben soweit möglich kontrollieren.

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